Andreas Rademachers (18.02.08-28.03.08)
2005 titelte Die Zeit „Generation Praktikum“ und machte deutlich, wie die heutige Jugend von einem Praktikum ins nächste läuft, nur um am Ende die eigenen Jobchancen zu erhöhen oder erst zu erhalten. Generation Praktikum – das heißt stupides Kopieren, Kaffee kochen und darauf warten, dass es Feierabend wird. Anderswo vielleicht, aber nicht im Bundestagsbüro von Jörg van Essen! Generation Praktikum heißt hier: Erfahrungen sammeln, Projekte übernehmen und am Abend mit der Gewissheit nach Hause zu fahren, etwas Sinnvolles geleistet zu haben.Sechs Wochen – das ist eine lange Zeit. Auf den ersten Blick. Doch Langeweile war Fehlanzeige. Dass Jörg van Essen nichts mit demotivierten Altpolitikern im grauen Nadelstreifenanzug zu tun hat weiß jeder, der ihn einmal persönlich kennen gelernt hat. Und die gute Laune, die nach beinahe 18 Jahren Mitgliedschaft im Hohen Hause noch immer vorhanden ist, beherrscht das ganze Büro.
Auf den Straßen im Regierungsviertel war die Polizeibereitschaft im Dauereinsatz. Die irische Staatspräsidentin war auf Staatsbesuch, viele andere Staats- und Regierungschefs, Parlamentspräsidenten und Minister auf Arbeitsbesuch.
Während sich draußen die Staatsgäste die Klinke in die Hand gaben, herrschte fleißiges Arbeitstreiben in den vielen Abgeordnetenbüros des Deutschen Bundestags. Dabei war es ein besonderes Erlebnis, in einer der Schaltzentralen der FDP-Bundestagsfraktion zu sein. Beim Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer laufen die Drähte zusammen, so dass Einblicke in verschiedenste Themen und Arbeitsgebiete an der Tagesordnung waren.
Der Deutsche Bundestag ist den Wenigsten als Arbeitsparlament bekannt. Entscheidungen werden in den Ausschüssen getroffen. So war es eine Selbstverständlichkeit, Jörg van Essen zu öffentlichen Sitzungen des Rechtsausschusses zu begleiten. Aber als Praktikant in seinem Berliner Büro hatte ich mehrfach eine ganz besondere Ehre: nämlich an den nicht-öffentlichen Sitzungen des Ausschusses für Geschäftsordnung, Wahlprüfung und Immunität teilzunehmen. Dieser 1. Ausschuss ist einer der wichtigsten Gremien zur Organisationsplanung des Bundestags, aber wohl auch von vielen Abgeordneten gefürchtet. Er beantragt nach einer Prüfung der Sachlage im Plenum die Aufhebung der Immunität eines Abgeordneten.
Innerhalb der FDP konnte ich natürlich hinter die Fassaden der Fraktionsarbeit schauen. So waren die wöchentlichen Treffen der Arbeitskreise genauso auf der Agenda, wie die Teilnahme an den Arbeitsgemeinschaften Recht und NATO. Bei letzterer konnte ich verfolgen, wie das aktuelle Positionspapier der Fraktion zum transatlantischen Bündnis entwickelt und schließlich der Presse vorgestellt wurde. Schon zu Beginn war dies ein Themenschwerpunkt, der sich wie ein roter Faden bis zum Ende durchzieht. Der NATO-Gipfel in Bukarest wird über wichtige Fragen beraten müssen, was schon in der ersten Woche bei einem Hintergrundgespräch in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik deutlich wurde.
Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit der Fraktion begleitete mich auf Schritt und Tritt. Was Pressemeldungen für Inhalte sind, sind Besuchergruppen für die Arbeitsweise des Parlaments: nämlich Informationen für die Bürger. So ließ es sich Jörg van Essen nicht nehmen, an zahlreichen Gesprächen mit Besuchergruppen seiner Kollegen teilzunehmen. Es ist gute Sitte innerhalb der FDP, dass sich die einzelnen Abgeordneten bei Besuchern gegenseitig unterstützen. Somit haben interessierte Bürger die Chance, aus den vielen Arbeitsbereichen und Politikfeldern der MdBs Informationen mitzunehmen.
Aber auch eine Diskussion mit Stundenten stand auf der Tagesordnung, die auf Einladung von Bundestagspräsident Norbert Lammert Berlin besuchten.
Natürlich gehörte auch zum Praktikantenalltag der „Telefondienst“, die Beantwortung von Bürgeranfragen und Recherchetätigkeiten zu verschiedensten Themen.
Es waren sechs unvergessliche Wochen in der Deutschen Hauptstadt. Ich danke Jana, Simone, aber ganz besonders dem Persönlichen Referenten, mit Nebenjob Praktikantenbetreuer, Jens für eine wundervolle Zeit. Ich beende mein Praktikum mit der Gewissheit, viele neue Erfahrungen gemacht, viel neues gelernt, mich persönlich und beruflich weiterentwickelt zu haben und mir sicher zu sein, jederzeit im Jakob-Kaiser-Haus (Nord) offene Türen vorzufinden. Wie in der Generation Praktikum habe ich mich nie gefühlt.





