Pawel Kawecki (08.06.-19.06.2009)
Nach der Lektüre einiger Praktikumsberichte auf der Internetseite von Jörg van Essen wurde mir klar, dass es richtig schwer werden würde, mein Praktikum bei einer solch wichtigen Person zu absolvieren. Ich war sehr erstaunt, als ich dann eine Zusage von Herrn van Essen bekam. Ich war besonders froh, mein Praktikum bei einem Abgeordneten der FDP absolvieren zu können, weil ich selbst die gleichen liberalen Ansichten habe. Mein Praktikum habe ich im Rahmen der an der Europa Universität Viadrina durchgeführten Veranstaltung "Politikberatung als Beruf" erhalten. Ich absolviere einen MES (Master of European Studies) mit Schwerpunkt in Politik. Daher war es sehr spannend das 'politische Zentrum' hautnah zu erleben. Unter den Kommilitonen an der Viadrina-Universität gibt es - abgesehen von den Muttersprachen und den Bräuchen der Heimatkultur - keine Unterschiede, aber ich war stolz, als Pole hier im Bundestag für zwei Wochen mein Praktikum absolvieren zu dürfen.
Am ersten Tag wurde ich von dem persönlichen Referenten, Herrn Loschwitz an meinem Arbeitsplatz eingewiesen. Ich musste vorher meinen Ausweis beantragen, der mir alle Türen einfach so öffnen sollte. Ich muss zugeben, dass der erste Tag für mich ein bisschen stressig war. Nicht wegen meinen Aufgaben, sondern wegen den riesigen Gebäuden. Diese sind einfach zu groß! Die wichtigsten Räume konnte ich am nächsten Tag besser kennenlernen, weil Herr Loschwitz eine Gruppe aus dem Wahlkreis von Herrn van Essen durch die Liegenschaften führte. Dadurch konnte ich das Ausmaß der Bundestagsgebäude entdecken und einige nützliche Informationen (Wie alt ist das Gebäude, wer arbeitet darin usw.) bekommen. Ein schöner Schluss der ersten Woche war für mich die Teilnahme am Parlamentarischen Kolloquium der Vereinigung deutsch-polnischer Parlamentsmitarbeiter (VDPP). Die VDPP ist eine Vereinigung der Verwaltungen des Deutschen Bundestages und des polnischen Sejm. Es war sehr schön, meine Muttersprache hier für einige Stunden hören zu können.
Während der nächsten Tage der sitzungsfreien Woche war ich mit typischen Büroarbeiten, wie Telefonate beantworten und Infos sammeln, aber auch die wichtigen Regeln der deutschen Demokratie kennen zu lernen, beschäftigt. Diese Tage haben mir sehr viel Spaß gemacht, weil ich den größten Teil meiner Arbeit am PC verbringen konnte.
Die nächste Woche wurde viel spannender als die erste. Sie begann sehr hektisch und ich war hier und dort mit dabei. Der Tag begann mit einem kurzen Gespräch mit Herrn van Essen. Danach nahm ich an einem Referentenmeeting teil, wo über Gesetze zur Bekämpfung von Kinderpornographie und über Waffen- und Sprengstoffgesetze geredet wurde. Dies war die Vorbereitung auf Diskussionen und Abstimmungen im Plenum. Nach einigen Stunden im Fraktionssitzungssaal des Jakob-Kaiser-Hauses bekam ich eine Einladung von Herrn van Essen. Ich durfte ihn beim Besuch der britischen Botschaft anlässlich des "Queens Birthday" begleiten. Ich habe mich sehr gefreut, mich mit so vielen interessanten und wichtigen Personen zu unterhalten. Der Dienstag begann wieder mit einer Sitzung, diesmal mit der des Arbeitskreises IV. Hier wurde ganz präzise die Haltung der FDP-Bundestagsfraktion zu Kinderpornographie und Waffengesetz erörtert. Es war echt spannend, den ganzen Prozess der Entstehung von Gesetzen so nah zu sehen. Nach zwei Stunden hatten wir Mittagspause. Herr van Essen hat alle Mitarbeiter und mich in ein italienisches Restaurant eingeladen, wo ich die Möglichkeit hatte, nicht nur mit Herrn van Essen ein wenig zu reden, sondern auch den Rest des Teams kennenzulernen. Dieser Tag im Bundestag ging mit dem Besuch der Fraktionssitzung im Gustav-Stresemann-Saal zu Ende, wo ich die Möglichkeit hatte, die FDP-Spitze fast zum Greifen nah sehen und hören zu können.
Für Mittwoch hatte Herr Lochwitz eine Überraschung vorbereitet, nämlich eine Einladung zur Enthüllung der "Solidarno-Maurer"-Gedankentafel. Das war nicht nur einer der wichtigsten Tage meines Praktikums in Berlin, sondern auch ein wichtiger Tag für das deutsch-polnische Verhältnis. Zwanzig Jahre nach dem Zerfall des Kommunismus und Jahrzehnten voller schwieriger Ereignisse war es so weit: Auftritt der Präsidien des polnischen Sejm und des Bundestages. Die Festlichkeit wurde anlässlich des Jubiläums des 17. Juni und des Jahrestages der Entstehung einer ersten nicht-kommunistischen Regierung im Ostblock organisiert. Das Symbol der gegenseitigen Ehre war für mich überwältigend. Zum Schluss der Feierlichkeit konnte ich die Pressekonferenz besuchen und eine sehr wichtige Deklaration des Bundestagspräsidenten Dr. Lammert hören. Somit habe ich die deutsch-polnischen Zusammenarbeit noch deutlicher gespürt. Zum Schluss habe ich dem Rechtsausschuss des Bundestages beigewohnt und konnte die politische Debatte beobachten.
Das eigentliche Highlight begann am nächsten Tag: Ein Besuch der Plenarsitzung. Dort konnte ich beobachten, wie die Gesetze verabschiedet werden. Sehr eindrucksvoll war das Engagement und die Motivation der Abgeordneten während der Debatte, was in der Tat ein Unterschied zu den polnischen Mitgliedern des Sejms war. Diese sollten wahrlich noch ein bisschen engagierter an die Themen herangehen, um das 'Europäische Niveau' der Politik zu erreichen.
Ich bedauere sehr, dass mein Praktikum nur zwei Wochen dauerte, leider musste ich noch meine Master Thesis schreiben und mich von diesem gastfreundlichen Land verabschieden. Ich merke, dass ich ganz viel von der deutschen Demokratie kennengelernt und persönlich gesehen habe, wie wichtig gute Verhältnisse zwischen Deutschland und Polen sind.





